„Sänk ju vor dräweling"

„Sänk ju vor dräweling“ heißt es nur noch selten in der Deutschen Bahn, doch immer noch regen sich manche auf, wenn englische Lehnworte hierzulande benutzt werden. Dabei ist das umgekehrte mindestens genauso beachtenswert: deutsche Lehnworte in anderen Sprachen.
Eines der schönstes davon wird bei uns leider gerade abgeschafft. Aus dem wunderbaren „Kindergarten“, den sogar die Engländer und Amerikaner in ihre Sprache aufgenommen haben, ist in Deutschland eine „Kita“ geworden - herzloses Technokratendeutsch in Sabbersprache. Andere deutsche Lehnworte wie „Kitsch“, „Wunderkind“ oder „Zeitgeist“ belegen in anderen Sprachen zumindest die kulturelle Produktivität des und der Deutschen.
Schlimm ist allerdings: „Schadenfreude.“ Dieses Wort gibt es nur im Deutschen. In England oder Frankreich muss man mühsam umschreiben, was gemeint ist. Nun soll niemand behaupten, man würde nicht auch im Ausland über die Missgeschicke anderer lachen, aber als eigenständigen Begriff gibt es das nur bei uns - noch dazu zusammengesetzt mit der eigentlich positiven „Freude“.
Besteht unser Humor wirklich darin, sich vor allem über andere auszulassen? Ich hoffe nicht. Denn Sie wissen ja: Wer penetrant den Splitter im Auge des Nachbarn sucht, hat meistens nur den Balken im eigenen Auge übersehen.
In diesem Sinne grüßt Sie
mit nur einem offenen Auge
Ihr
Matthias Treiber
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